Lord of the Ringvorlesung

Wie ich nun schon etwa 193mal twitterte, hielt ich gestern Nachmittag um 17:00 Uhr einen Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Schummeln, Cheaten, Regelbruch – Im Grenzgebiet virtueller Spielwelten„. Wie es das Rahmenthema absolut nahelegt, ja sogar zwingend erfordert, sprach ich natürlich über Indie Games. Mit denen vertreibe ich mir derzeit in Vorbereitung auf eine mögliche Dissertation so die Zeit, wenn es im Büro sonst nichts zu tun gibt. Manchmal sogar auf akademischer Ebene.

Grob ging es darum, wie man Indie Games beschreiben kann bzw. anhand welcher Merkmale sie sich von „Mainstream“-Spielen abgrenzen lassen und was so alles damit zusammen hängen könnte. Mein (momentan) eigentliches Interesse, ob und wenn ja wie dabei gemeinschaftsbildende Prozesse stattfinden, die dann eventuell eine Subkultur „Indie Szene“ formen, blieb dabei noch etwas außen vor. Meine Präsentation dazu sah jedenfalls so aus:

Ich selbst sah beim Vortragen so aus:

BildVomVortrag

Und der zugehörige Karl H. Ditze Hörsaal, prall gefüllt mit gespannt lauschenden Vorlesungsteilnehmern, sah so aus:

Ditze Hörsaal

Auch wenn ich vorher ziemlich aufgeregt war, lief der Vortrag selbst ganz okay und kam offenbar auch nicht total schlecht an. Ich habe noch interessanten Input bekommen, den ich mir jetzt mal näher zu Gemüte führen und auf seine Güte überprüfen muss. Insgesamt also ein lohnender Abend. Sogar ein Bier habe ich im Anschluss noch ausgegeben bekommen. Vielen Dank nochmal an den freundlichen Spender…:)

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Ein Schurkenstreich

Zu der heute endenden Pixar-Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe fand ebenfalls heute der Workshop „Ein Schurkenstreich – Zeichenworkshop zur Faszination des Bösen“ statt – und ich war dabei. Mich angemeldet und die 50 Euro Mitmachgebühr bezahlt hatte ich bereits vor vielen Wochen, kurz nachdem ich mit dem Sohnemann in eben dieser Ausstellung war und von den zahlreichen Monster-Entwürfen zum Film „Monster AG“ völlig verzückt war.

Geleitet wurde der Workshop von Verena Braun, einer örtlichen Illustratorin, Autorin und…öhm, Workshopleiterin. Nachdem wir uns alle kurz nach 14:00 Uhr im Foyer versammelt hatten, führte sie uns in die Katakomben und Verliese des Museumsbaus und dort in einen Raum, den innenarchitektonisch gewagt ein massiver Stützpfeiler in zwei Hälften teilte. Links und rechts davon nahmen wir Platz, so dass die eine Hälfte der Workshopgruppe vor ungewollten Einblicken der anderen gut geschützt war. Sehr vorteilhaft bei einem Zeichen-Workshop. Wer will da schon sehen, was die anderen machen?

Von diesen kleinen Unzulänglichkeiten mal abgesehen, was es aber sehr schön. Nach der obligatorischen Vorstellungsrunde („Hallo, mein Name ist Florian, ich bin professioneller Delphindompteur“) schauten wir uns einige berühmte Bösewichte der Filmgeschichte an, um Inspiration zu finden und machten dann ein paar Fingerlockerungsübungen, indem wir einige Workshopteilnehmer abzeichneten. Diese schmissen sich teils extra kostümiert in Pose!

modelleBearb

Leider bestand das Kostüm größtenteils aus einem schweren Umhang, der Falten warf. Und jeder, der eine einigermaßen sadistisch veranlagte Kunsterzieherin in der Schule hatte weiß, dass Faltenwurfstudien der absolute Hass sind. Deswegen habe ich das etwas großzügiger interpretiert.

Anschließend ging es ans Werk: einen eigenen Bösewicht zeichnen. Damit wir da nicht völlig auf dem Trockenen schwammen, hatte Verena ein paar (Trash-)Film-Zusammenfassungen gesammelt, die sich um die dortigen Antagonisten drehten. Meine Aufmerksamkeit erregten dabei die folgenden beiden Textschnipsel:

„Killer Klowns from Outer Space: Demente Clown-Aliens landen auf der Erde und errichten ein Zirkuszelt, um Erdlinge anzulocken.“

und

„Gore-Met Zombie Chef from Hell: Ein uralter Dämon eröffnet ein Restaurant in der Jetztzeit und schlachtet einen Gast nach dem anderen, um ihn dem nächsten Gast zu servieren.“

Ich entschied mich schließlich für den zweiten Bösewicht, den nachhaltig wirtschaftenden Zombie-Dämonen-Koch. Kleine Anmerkung zwischendurch: Filme mit „from“ im Titel sind immer gut. Und hier ist nun mein Ergebnis:

dämonBearbKleinTadaa! Ein fieser Koch-Zombie-Dämon, inklusive Kochmütze und -schürze. Er hat ein Holzbein, weil er das echte Bein in Zeiten von großer Not mal selbst essen musste. Außerdem trägt er immer eine Hand in seiner Brusttasche, falls er die mal jemandem geben muss. Er ist eher kontaktscheu.

Und just, als ich mit ihm fertig war, war der Workshop auch schon wieder vorbei. Ich hatte vielleicht gehofft, noch etwas mehr kreativitätsanregende Techniken zu erfahren. Aber ich finde dieses Zeichnen von (außergewöhnlichen) Filmfiguren, die man zuvor noch nicht gesehen hat, auch schon ganz nett. Vielleicht werde ich mich irgendwann auch mal den Alien-Clowns widmen. Für heute war es aber nur das Koch-Dämonen-Zombie.

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Methoden-Meme

In meiner Funktion als Vertretungs-WiMi an der Hamburger Uni ist in diesem Semester meine Hauptaufgabe die Leitung zweier Seminare zu den Methoden der Kommunikationsforschung. Das heißt, wir gehen parallel zur ebenfalls stattfindenden Vorlesung die verschiedenen Methoden durch und die SeminarteilnehmerInnen wenden dann eine davon nach Wahl in eigenen Forschungsprojekten zu Übungszwecken an.

Um das ganze optisch etwas aufzupeppen habe ich mir angewöhnt, meine Folien dabei durch ein paar angepasste mehr oder weniger bekannte Internet-Meme zu würzen. Abgeguckt habe ich mir das bei Jan Schmidt, der das mitunter ähnlich macht. Und die wollte ich hier einfach mal sammeln, um das Ganze ganze Mem-typisch zu verbreiten und andere zum Nachmachen anzustiften.

Den Anfang machte in der ersten Sitzung zum ganz allgemeinen Zustandekommen und Aufbau eines Forschungsvorhabens ein guter alter Cartoon von Joscha Sauer, der sich mit dem Thema des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses auseinandersetzt:

Wissenschaft

Das Bild ist übrigens von hier.

In der nächsten Sitzung zum Thema Messung und Skalen kam dann natürlich Boromir aus der Lord of the Rings-Verfilmung zum Einsatz. Den Dummy dazu findet man beispielsweise hier oder in verschiedenen Meme-Generatoren, der Text lässt sich dann mit Gimp oder Photoshop selbst reinbasteln. Bei mir sah das thematisch passende Ergebnis dann so aus:

Boromir

Und um die Studenten zur Mitarbeit anzuregen, ist mitunter göttliche Intervention von Nöten. Auch hier gibt es verschiedene Generatoren, die das grundlegende Bild zur Verfügung stellen. Etwa hier. Mitunter ist da etwas Beschneidungsarbeit nötig.

Zeus

In der dritten Sitzung ging es endlich um die erste eigentliche Methode: die Befragung. In all ihren Farben und Formen. Je nach Ausführung wird da ja von Forscherseite aus manchmal mit Incentives, also Anreizen zum vollständigen Ausfüllen, gearbeitet.  Und bei diesem Thema drängt sich ein bestimmtes Mem geradezu auf, das die Funktion eines Incentives beinahe in Perfektion vorführt…

cake

…auch wenn die Auflösung am Ende forschungsethisch vielleicht etwas fragwürdig ausfällt:

the-cake-is-a-lie

Die Bilder stammen jeweils von hier und hier.

In der vierten Sitzung kamen wir auf die Methode zur Erforschung der eigentlichen Medieninhalte zu sprechen: die Inhaltsanalyse. Hier fiel es mir zugegeben etwas schwer, ein passendes Bild zu finden, so dass schließlich der Philosoraptor herhalten musste und gleich noch ein wenig Fernsehkritik anbringen konnte:

philosoraptor_inhaltsanalyse

Auch den gibt es vielfach ohne störende Beschriftung im Netz (hier etwa), die man dann selbst einfügen kann.

In der bisher letzten Sitzung geht es dann um diejenigen, die man eigentlich beforschen möchte, nämlich Grundgesamtheiten und Stichproben. Für mich DIE Gelegenheit, auch mal meine Vorliebe für die großartige Serie „Futurama“ zum Ausdruck zu bringen und Dr. Zoidberg, den besten Arzt der Galaxis, ins Seminar einzuführen. Das zu Grunde liegende Bild könnte von hier stammen.

Zoidberg_Sample

Glücklicherweise ist der Doktor nicht das einzige Cast-Mitglied von Futurama, das es zu Mem-Ehren gebracht hat. Auch Fry darf da nicht fehlen und bietet sich wunderbar als Rausschmeißerfolie an. Etwa von hier.

Fry

Das waren bisher alle Seminartermine. Mal sehen, was mir für die nächsten (Experiment, Beobachtung, Datenauswertung und so weiter) noch schönes einfällt. Ich werde es auf jeden Fall mal weiter sammeln. Meme sind schließlich dafür da, angewendet zu werden.

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Willkommen in Hamburg

Ich hatte heute einen für meine Verhältnisse spektakulären Abend. Über einige Umwege bin ich als Zuschauer in die Kino-Premiere und Pressevorführung des neuen Hamburger Tatorts „Willkommen in Hamburg“ mit Til Schweiger gekommen. Geladen war eigentlich mein Chef, der aber nicht konnte und deshalb seinen Platz einer Kollegin offerierte, die ihn wiederum mir anbot. Wenn also irgend jemand fragt: Heute Abend war ich Uwe Hasebrink

Nun bin ich sonst eher selten bei solchen Medienereignissen zugegen, und entsprechend unerfahren ging ich an die Sache heran. Nach meinen Informationen sollte ich 19:00 Uhr am Passage-Kino in Hamburg sein. Weil ich immer pünktlich bin, war ich schon eine Viertel Stunde eher da und durfte feststellen, dass ein Absperrband und zwei große, breite Männer den Einlass versperrten. Ein angeregtes Gespräch mit einem der beiden („Presse oder privat?“ „Ich, äh, ich bin hier als Vertre-“ „Presse oder privat?“ „Öhm. Privat.“) ergab, dass Nicht-Pressemenschen erst Punkt 7 rein dürften. Also kam ich 19:00 Uhr wieder und bekam mit Hilfe der Losung „Mein Name ist Uwe Hasebrink“ das hier:

Tatort01

Wie man sieht, fing der Film überraschenderweise erst 20:00 Uhr an. Ich konnte also noch eine ganze Stunde in einem aus mir unerfindlichen Gründen schon brechend vollen Foyer rumstehen. Also platzierte ich mich in der Nähe einer hungrigen Meute von Pressefotografen vor einer „Tatort“-Werbewand, vor der ein roter Fußabtreter platziert war. In Abständen von mehreren Minuten fand dann ein faszinierendes Schauspiel statt: Es kam irgend ein scheinbar total berühmter Mensch – in den meisten Fällen vermutlich Schauspieler – und die Fotografen vergaßen sofort ihre gute Kinderstube. Sie stapelten sich übereinander oder stellten sich auf wackelige leere Getränkekästen und knipsten wie irre drauflos. Dabei brüllten sie Dinge wie „[Vorname des Schauspielers/der Schauspielerin], hier oben! Hier! Und nochmal eine dynamische Pose bitte!“ oder sowas in der Art. Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren darüber, vor wem ich mehr die Achtung verlor. Den wie Idioten gröhlenden Fotografenhyänen oder den dümmlichen Schauspielern, die auch noch machten, was sie ihnen zuriefen. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn sie auch angefangen hätten, sich wie Schimpansen gegenseitig mit Kotbröckchen zu bewerfen.

Nun kenne ich leider genau 0 deutsche Schauspieler/Schauspielerinnen, deshalb kann ich nicht sagen, wer da nun fotografiert wurde. Aber die wirklich coolen Leute sind ohnehin HINTER den ganzen Fotografen ins Kino gegangen. Einen habe ich dann aber doch erkannt, nämlich Kai Pflaume, hier gerade ins Gespräch mit einer Dame von der Presse vertieft:

Tatort02

Und dann kam auch irgendwann endlich der, wegen dem überhaupt alle da waren. Der Til, zusammen mit einigen anderen Tatort-Beteiligten. Da habe ich dann auch mal ein paar Bilder mit meinem Telefon geknipst. Nehmt das, Pressefotografen mit euren Getränkekisten-Plätzen und euren superteuren Spiegelreflexkameras!

Tatort03

Hier ist der Herr Schweiger zusammen mit seinem Tatort-Partner Fahri Yardim. Die Mütze hat er übrigens den ganzen Abend getragen.

Tatort04

Und hier noch ein Gruppenbild der Hauptbeteiligten. Ganz links ist Christian Granderath (Tatort-Redakteur), daneben der eben schon erwähnte Fahri Yardim. Es folgt der Regisseur des Tatorts, Christian Alvart. Es folgen dann wiederum Nicole Mercedes Müller, Til Schweiger und der Intendant des NDR und ich glaube derzeitiger ARD-Vorsitzende Lutz Marmor. Alle auf einem, schlechten Bild von mir…

Dann bin ich auf meinen Platz in den eigentlichen Kinosaal gegangen und nach ein paar kurzen Selbstbeweihräucherungsreden einiger Verantwortlicher ging es endlich los. Die Tatort-Titelmusik (unveränderter Vorspann übrigens, falls es da Befürchtungen gab) und dann der Film. Um die Handlung kurz und spoilerfrei zusammen zu fassen: Nikolas „Nick“ Tschiller (Til Schweiger) ist neu in Hamburg und will zusammen mit seinem entsprechend neuen Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim) einen Mädchenhändlerring sprengen. Helfen soll ihm dabei eine der anfänglich befreiten Prostituieren, Tereza (Nicole Mercedes Müller). Irgend eine dubiose Rolle spielt dabei auch noch sein Ex-Partner (beruflich, versteht sich) und dessen Freundin.

Nun wurde vorab bereits einiges über den neuen Tatort berichtet, hauptsächlich tendenziell negativ. Und auch ich war mehr als skeptisch, weil ich eigentlich kein besonders großer Fan von Herrn Schweiger und seinen Filmen bin. Ich fand allerdings, dass der präsentierte Tatort durchaus einen beträchtlichen Unterhaltungswert besitzt. Die Action wirkt weniger billig, als ich befürchtet hatte. Besonders die Kameraarbeit fand ich durchaus ambitioniert – es wird häufig versucht, das ganze in One-Shot-Aufnahmen zu inszenieren. Also ohne sichtbare Schnitte, so dass das Ganze etwas realistischer wirkt. Und ich finde, das ist durchaus gelungen. Der Humor, mitunter auch selbstironisch (in einer Szene entschuldigt sich Nick Tschiller für seine undeutliche Aussprache mit „Ich nuschel manchmal ein bisschen.“), kommt auch  nicht zu kurz. Zwar wirken manche Sprüche etwas aufgesetzt, passen aber zu dem ohnehin sehr übertrieben filmischen Charakter von Herrn Tschiller. Der eigentliche comic relief lastet ohnehin auf seinem Sidekick Yalcin Gümer, und der macht das sehr ordentlich. Es ist also, wie auch zuvor bereits bekannt geworden, ein sich sehr am amerikanischen Popcorn-Kino orientierender Tatort. Und ich finde, das tut dieser alteingesessenen Fernsehfilmreihe – die dieses Jahr immerhin schon 43 Jahre alt wird – durchaus gut. Zumal die Schweiger-Tatorte nur einmal pro Jahr geplant sind und somit auch noch genug betuliche, deutsche Beamtenarbeit an den restlichen Sonntagen bewundert werden kann.

Kritik habe ich aber trotzdem noch. Til Schweigers echte Tochter Luna Schweiger spielt nämlich seine Filmtochter Lenny. Und die gemeinsamen Szenen der beiden, die offensichtlich des Raubeins Nick Tschillers weiche Seite als alleinerziehender Vater verdeutlichen sollen (*gähn*), sind wirklich grausam. Zum einen etwas holprig geschrieben, zum anderen hat Luna Schweiger das Schauspielerische Talent eines Weißbrots. Gegen sie wirkt Kristen Stewart wie Meryl Streep. Ich rate ihr dringend, schnell noch einen richtigen Beruf zu lernen. Und ich bin Kommunikationswissenschaftler! Man hätte diese Szenen jedenfalls gerne alle weglassen können. Zumal man Tschillers weiche Seite durchaus auch in seiner Beziehung zu Tereza, der geretteten Prostituierten, hätte deutlich machen können. Nun ja. Arthur Abraham (ja, der Boxer) hat übrigens genauso einen kurzen Gastauftritt wie der andere neue Hamburger Tatort-Kommissar Wotan Wilke Möhring. Ersterer wird glücklicherweise nach fünf Minuten erschossen.

Alles in allem muss ich konstatieren, dass mir der erste Schweiger-Tatort durchaus gut gefallen hat. Er bricht aus den typischen Tatort-Abläufen aus (es gibt KEINEN Halb-Zehn-Verdächtigen!) und bringt mal ein bisschen Schwung in die betagte Serie. Nun mag der Schwung ziemlich klischeehaft und plakativ sein, und vielleicht auch typisch Schweiger. Aber glücklicherweise gucke ich ja keine anderen Filme vom lieben Til, so dass ich 90 Minuten Tatort pro Jahr gut ertragen kann. Er kann also von mir aus gerne weitermachen. Willkommen in Hamburg!

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Lehrveranstaltungsevaluation

Ich arbeite ja bekanntlich – oder auch nicht – als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hamburger Uni. Im Zuge dessen fiel auch die Lehrveranstaltungsevaluation unseres Fachbereichs in mein Aufgabengebiet. Hauptsächlich übrigens deshalb, weil die eigentlich dafür eingesetzte studentische Hilfskraftstelle gestrichen wurde.

Nun kann man sich die Evaluation wie eine ganz normale Befragung vorstellen: in den jeweiligen Lehrveranstaltungen werden die zuvor von der Evaluationsstelle entwickelten Fragebögen zur Qualität der Veranstaltung und Kompetenz des Dozenten and what not ausgeteilt, von den Studenten (und Studentinnen) ausgefüllt und anschließend wieder eingesammelt und schließlich ausgewertet.

Im Detail sieht das so aus, dass unser Fachbereich der Evaluationsstelle alle relevanten Lehrveranstaltungen meldet, sie dort entsprechende Deckblätter für die einzelnen Befragungen erstellen und uns den Fragebogen und die Deckblätter als *.pdf-Dateien zurückschicken. Die müssen wir dann ausdrucken. Ausdrucken! Auf Papier! Für jede Veranstaltung ein Deckblatt und die der gemeldeten Studenten entsprechende Anzahl an Fragebögen. Das machte in unserem Fall 2400 Seiten Fragebogen. Ich habe keine Ahnung, was das den Fachbereich gekostet hat. Aber ich bin sicher, es war Geld.

Dann habe ich Fragebögen und Deckblätter entsprechend der Lehrveranstaltungen aufgeteilt, in Umschläge verpackt und an die Dozenten verteilt und auf die Rückläufer gewartet. Das war so Anfang Januar. Gestern dann kam der lustige Teil der Arbeit. Mit allen bei mir wieder angekommenen ausgefüllten Evaluationsbögen – deren Anzahl selbstverständlich bedeutend geringer ist als die der ursprünglich verteilten Bögen – gehe ich zu einem Einzugsscanner (für dessen Nutzung man etwa eine Woche zuvor einen Termin machen muss) und scanne die ausgefüllten Bögen wieder ein. Ich digitalisiere sie wieder. Die vorher auf Papier ausgedruckten Bögen. Digitalisiere ich wieder. Das geht natürlich nicht ganz so reibungslos, denn die Kreuzchen-Erkennungssoftware ist etwas unsicher. Sie erkennt ein angekreuztes Kästchen am korrekten Füllungsgrad. Leere Kästchen und zu volle Kästchen (wenn der Ausfüller beispielsweise ein zuvor gesetztes Kreuz durchstreicht) werden ignoriert. Das heißt aber auch, dass mit Bleistift oder etwa von schwächlichen Veganern ausgefüllte Fragebögen nicht genug Kästchenfüllungskoeffizient (das habe ich mir eben ausgedacht) generieren, um vom Programm erkannt zu werden. Ähnlich ist es bei zu dicken Stiften – Kreuzchen mit Edding werden nicht gezählt. Und bei allen Sachen, bei denen der Rechner unsicher ist, fragt er mich. Gestern fragte er mich – grob geschätzt – 3700 mal. Nun fühle ich mich natürlich gerne klüger als ein Computer, aber das war dann doch ein wenig anstrengend.

Mein Freund, der Scanner.

Mein Freund, der Scanner.

Die Auswertung an sich erfolgt dann automatisch und von mir unbeeinflusst. Ich muss nur noch mit einem Klick auf einen Button jedem Dozenten für jedes Seminar seine Evaluationsauswertung zuschicken lassen. In Form einer Mail, also auch digital.

Und so saß ich nun gestern vor dem Scanner und fragte mich, ob das alles wirklich so gemacht werden muss. Wenn Dinge von digital zu analog und dann wieder zu digital gewandelt werden müssen, stimmt doch irgendwas nicht. Wäre es nicht leichter, die Evaluation in Form einer Online-Umfrage durchzuführen? Die ganzen Daten zu den Veranstaltungen sind ohnehin schon online – mit Teilnehmern und Dozenten und allem. Im Studien-Infonetz der Uni. Es kann doch eigentlich nicht so schwer sein, dort für jede Veranstaltung die Evaluation mit einzubinden. Die schaltet man dann kurz vor Semesterende frei und teilnehmen dürfen nur die in der Lehrveranstaltung eingeschriebenen Studenten. Die Auswertung geht dann ganz automatisch an die Dozenten.

Wäre das nicht viel einfacher? Und es würde Geld und Papier sparen. Und Müll! Ich habe hier jetzt zig ausgefüllte, nutzlose Bögen in Umschlägen im Büro rumliegen. Ich vermute, die Rücklaufquote wäre auch höher. Mal davon abgesehen, dass nicht alle Dozenten ihre ausgefüllten Bögen überhaupt abgegeben haben ist auch bei keinem die ausgeteilte Anzahl an Bögen wieder ausgefüllt zurück gekommen. Ich vermute, auch das sähe bei einer Online-Umfrage anders aus.

Nun ja. Ich habe leider keine Ahnung, wem ich meinen super innovativen (*hüstel*) Vorschlag zur Ablehnung vortragen könnte. Aber für eine bessere Idee als den Status Quo halte ich es allemal.

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Der Papst wiederverwertet.

Der folgende Text erschien am 23. September 2011 in meinem anderen Blog, passt aber gerade heute so gut. Deshalb recycle ich ihn hier noch mal. Er passt ohnehin besser zum Purzelkraut.

„Moin,

Wie vielleicht bereits aus Funk und Fernsehen bekannt, ist derzeit der Vertreter Gottes auf Erden (wenn man der Katholischen Kirche glaubt, was man nicht tun sollte) zu Besuch in Erfurt – der Stadt, in der wir zufällig wohnen. Nun habe ich normalerweise mit Religion im Allgemeinen und mit der Katholischen Kirche im Speziellen wenig zu tun und ich könnte mich nun in einem endlosen Schwall von blasphemischen Gedankenergüssen zu diesem Thema verlieren. Das werde ich aber nicht tun. Hoffe ich.
Eigentlich wollte ich dieses Ereignis entsprechend meiner Abneigung auch völlig ignorieren. Doch dann beschloss ich gestern, meinem sensationsgierigen Schweinehund nachzugeben und heute vormittag, bevor wir uns dann auf unseren Gebeseer Landsitz flüchten, einen kleinen Streifzug durch die Stadt zu machen und ein paar Polizisten zu fotografieren. Denn die sollten dem Hörensagen nach zu Hauf in der Stadt sein. Auch wollte ich mir anschauen, was nun kurz vor Papstbesuch so in der Stadt los wäre und wo man überall nicht mehr hin dürfe.

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Das hier ist übrigens das für diese zwei Tage Rumgepapste entworfene Logo, das in der Stadt zahlreich zu finden ist.

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Das erste, was mir auffiel: Es sind tatsächlich sehr viele Polizisten (und wenn ich Polizisten schreibe, meine ich Bullenschweine) in der Stadt. Es klänge vermutlich übertrieben, wenn ich schriebe: „An jeder Ecke stand ein Polizist.“, aber ab einer bestimmten Entfernung zur Stadtmitte stand wirklich an jeder Ecke ein Polizist. Stellvertretend hierfür der einsame Uniformträger oben auf dem Bild. Das allein ist aber nicht so besonders, denn das ist im Grunde ja jedes zweite Wochenende auch so, wenn Rot Weiß Erfurt ein Heimspiel hat.

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Am Anger stellte ich dann mein Fahrrad ab und schlenderte ein wenig rum. Natürlich versuchten einige Einrichtungen, ihre Besucherzahlen mit Hilfe der Papst-Touristen ein bisschen in die Höhe zu treiben. Und natürlich durften auch die obligatorischen Ramsch-Buden nicht fehlen. Ein wenig vermisste ich den Geruch von Glühwein in der Luft. Kann man diesen Messwein nicht auch warm trinken?
Interessanterweise liefen auch einige Menschen mit BILD-Shirt über den Anger, die den Passanten kostenlose Ausgaben ihrer teuflischen Zeitung austeilten. Mir wurde auch eine angeboten. Und für den Bruchteil einer Femtosekunde war ich versucht, zuzugreifen. Dann allerdings konnte ich mich aus dem hypnotischen Blick des BILD-Zeitungs-Siths herauswinden und mannhaft: „Nein, danke. Ich habe gerade keinen alten Fisch zum Einwickeln bei mir.“ sagen. So zumindest habe ich es in Erinnerung.

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Ich ging dann weiter zum Domplatz. Der war, vermutlich schon für die morgige Messe dort, komplett abgesperrt, genau wie der Petersberg. Vor der Absperrung liefen wieder etliche Polizisten rum. Und vor diesen Polizisten standen zahlreiche Menschen und guckten und zeigten Richtung Dom. Da war aber gar nichts, außer halt dem Dom. In meinem Kopf stempelte ich sie als Idioten ab und ging weiter, bis ich zu diesen hübschen Dixie-Klos kam. Die sind vermutlich für den nie ganz auszuschließenden Fall dort aufgestellt worden, dass sich bei der Predigt morgen etwa 50 Menschen gleichzeitig übergeben müssen.
Dann wollte ich weiter, kam es aber nicht, weil die Straße abgesperrt war. Ich wollte mich gerade Richtung Fischmarkt wieder nach Hause machen, als ich hörte, wie eine Mutter ihrer kleinen Tochter erzählte, dass der Papst gerade im Dom sei. Das erklärte mir dann auch, wieso die ganzen Menschen da standen – also stellte ich mich ganz idiotisch mit dazu. Wenn ich nun schonmal hier war, konnte ich auch noch fünf Minuten auf den ollen Benedetto warten.

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Und dann kam er auch schon! Und hier ist er: der Papst. In seinem schönen, weißen Ratzefummel. Neben ihm glaube dieser Bischof von Erfurt, mit dem er sich im Augustinerkloster getroffen hatte. Oder auch nicht, ich übernehme da keine Garantien.

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Hier noch ein bisschen näher. Mehr hat mein Objektiv nicht hergegeben. Ich vermute, hier erklärt der Heilige Vater den wartenden Journalisten gerade, was für große Brüste die Jungfrau Maria laut Neuem Testament hatte.

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Ja, ja. Bei so viel freudigem Rumgeglaube und christlicher Nächstenliebe muss sich selbst die hartgesottenste Polizei-Brunhilde ein Tränchen verdrücken. Schnüff.

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Hier trifft oder traf sich übrigens der Papst mit den Vertretern der Evangelischen Kirche bei einem schönen, kühlen Bier. Hmm, lecker.

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So nächstenlieb und nett sieht der Papst übrigens von Nahem (und mit Weihnachtsmannmütze) aus. Das Foto habe allerdings nicht ich gemacht, sondern es ist hier her.

Und wisst ihr schon, wer demnächst auch nach Erfurt kommt und einen ähnlichen Unterhaltungswert hat, wie der Benedikt? Na? Ja! Fips Asmussen!
So, und zur Relativierung der ganzen Begeisterung und weil ich es überhaupt sehr gut finde, hier noch ein weiterer Fremdbeitrag. Viel Spaß!“

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Das kommt davon, wenn man zu wenig bloggt

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an.

Hier ist ein Auszug:

Der neue Boeing 787 Dreamliner kann ungefähr 250 Passagiere befördern. Dieser Blog wurde 2012 über 1.200 mal besucht. Wäre es ein Dreamliner, würde es um die 5 Flüge brauchen, um so viele Personen zu befördern.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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