Monatsarchiv: Februar 2013

Lehrveranstaltungsevaluation

Ich arbeite ja bekanntlich – oder auch nicht – als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hamburger Uni. Im Zuge dessen fiel auch die Lehrveranstaltungsevaluation unseres Fachbereichs in mein Aufgabengebiet. Hauptsächlich übrigens deshalb, weil die eigentlich dafür eingesetzte studentische Hilfskraftstelle gestrichen wurde.

Nun kann man sich die Evaluation wie eine ganz normale Befragung vorstellen: in den jeweiligen Lehrveranstaltungen werden die zuvor von der Evaluationsstelle entwickelten Fragebögen zur Qualität der Veranstaltung und Kompetenz des Dozenten and what not ausgeteilt, von den Studenten (und Studentinnen) ausgefüllt und anschließend wieder eingesammelt und schließlich ausgewertet.

Im Detail sieht das so aus, dass unser Fachbereich der Evaluationsstelle alle relevanten Lehrveranstaltungen meldet, sie dort entsprechende Deckblätter für die einzelnen Befragungen erstellen und uns den Fragebogen und die Deckblätter als *.pdf-Dateien zurückschicken. Die müssen wir dann ausdrucken. Ausdrucken! Auf Papier! Für jede Veranstaltung ein Deckblatt und die der gemeldeten Studenten entsprechende Anzahl an Fragebögen. Das machte in unserem Fall 2400 Seiten Fragebogen. Ich habe keine Ahnung, was das den Fachbereich gekostet hat. Aber ich bin sicher, es war Geld.

Dann habe ich Fragebögen und Deckblätter entsprechend der Lehrveranstaltungen aufgeteilt, in Umschläge verpackt und an die Dozenten verteilt und auf die Rückläufer gewartet. Das war so Anfang Januar. Gestern dann kam der lustige Teil der Arbeit. Mit allen bei mir wieder angekommenen ausgefüllten Evaluationsbögen – deren Anzahl selbstverständlich bedeutend geringer ist als die der ursprünglich verteilten Bögen – gehe ich zu einem Einzugsscanner (für dessen Nutzung man etwa eine Woche zuvor einen Termin machen muss) und scanne die ausgefüllten Bögen wieder ein. Ich digitalisiere sie wieder. Die vorher auf Papier ausgedruckten Bögen. Digitalisiere ich wieder. Das geht natürlich nicht ganz so reibungslos, denn die Kreuzchen-Erkennungssoftware ist etwas unsicher. Sie erkennt ein angekreuztes Kästchen am korrekten Füllungsgrad. Leere Kästchen und zu volle Kästchen (wenn der Ausfüller beispielsweise ein zuvor gesetztes Kreuz durchstreicht) werden ignoriert. Das heißt aber auch, dass mit Bleistift oder etwa von schwächlichen Veganern ausgefüllte Fragebögen nicht genug Kästchenfüllungskoeffizient (das habe ich mir eben ausgedacht) generieren, um vom Programm erkannt zu werden. Ähnlich ist es bei zu dicken Stiften – Kreuzchen mit Edding werden nicht gezählt. Und bei allen Sachen, bei denen der Rechner unsicher ist, fragt er mich. Gestern fragte er mich – grob geschätzt – 3700 mal. Nun fühle ich mich natürlich gerne klüger als ein Computer, aber das war dann doch ein wenig anstrengend.

Mein Freund, der Scanner.

Mein Freund, der Scanner.

Die Auswertung an sich erfolgt dann automatisch und von mir unbeeinflusst. Ich muss nur noch mit einem Klick auf einen Button jedem Dozenten für jedes Seminar seine Evaluationsauswertung zuschicken lassen. In Form einer Mail, also auch digital.

Und so saß ich nun gestern vor dem Scanner und fragte mich, ob das alles wirklich so gemacht werden muss. Wenn Dinge von digital zu analog und dann wieder zu digital gewandelt werden müssen, stimmt doch irgendwas nicht. Wäre es nicht leichter, die Evaluation in Form einer Online-Umfrage durchzuführen? Die ganzen Daten zu den Veranstaltungen sind ohnehin schon online – mit Teilnehmern und Dozenten und allem. Im Studien-Infonetz der Uni. Es kann doch eigentlich nicht so schwer sein, dort für jede Veranstaltung die Evaluation mit einzubinden. Die schaltet man dann kurz vor Semesterende frei und teilnehmen dürfen nur die in der Lehrveranstaltung eingeschriebenen Studenten. Die Auswertung geht dann ganz automatisch an die Dozenten.

Wäre das nicht viel einfacher? Und es würde Geld und Papier sparen. Und Müll! Ich habe hier jetzt zig ausgefüllte, nutzlose Bögen in Umschlägen im Büro rumliegen. Ich vermute, die Rücklaufquote wäre auch höher. Mal davon abgesehen, dass nicht alle Dozenten ihre ausgefüllten Bögen überhaupt abgegeben haben ist auch bei keinem die ausgeteilte Anzahl an Bögen wieder ausgefüllt zurück gekommen. Ich vermute, auch das sähe bei einer Online-Umfrage anders aus.

Nun ja. Ich habe leider keine Ahnung, wem ich meinen super innovativen (*hüstel*) Vorschlag zur Ablehnung vortragen könnte. Aber für eine bessere Idee als den Status Quo halte ich es allemal.

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2 Kommentare

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Der Papst wiederverwertet.

Der folgende Text erschien am 23. September 2011 in meinem anderen Blog, passt aber gerade heute so gut. Deshalb recycle ich ihn hier noch mal. Er passt ohnehin besser zum Purzelkraut.

„Moin,

Wie vielleicht bereits aus Funk und Fernsehen bekannt, ist derzeit der Vertreter Gottes auf Erden (wenn man der Katholischen Kirche glaubt, was man nicht tun sollte) zu Besuch in Erfurt – der Stadt, in der wir zufällig wohnen. Nun habe ich normalerweise mit Religion im Allgemeinen und mit der Katholischen Kirche im Speziellen wenig zu tun und ich könnte mich nun in einem endlosen Schwall von blasphemischen Gedankenergüssen zu diesem Thema verlieren. Das werde ich aber nicht tun. Hoffe ich.
Eigentlich wollte ich dieses Ereignis entsprechend meiner Abneigung auch völlig ignorieren. Doch dann beschloss ich gestern, meinem sensationsgierigen Schweinehund nachzugeben und heute vormittag, bevor wir uns dann auf unseren Gebeseer Landsitz flüchten, einen kleinen Streifzug durch die Stadt zu machen und ein paar Polizisten zu fotografieren. Denn die sollten dem Hörensagen nach zu Hauf in der Stadt sein. Auch wollte ich mir anschauen, was nun kurz vor Papstbesuch so in der Stadt los wäre und wo man überall nicht mehr hin dürfe.

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Das hier ist übrigens das für diese zwei Tage Rumgepapste entworfene Logo, das in der Stadt zahlreich zu finden ist.

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Das erste, was mir auffiel: Es sind tatsächlich sehr viele Polizisten (und wenn ich Polizisten schreibe, meine ich Bullenschweine) in der Stadt. Es klänge vermutlich übertrieben, wenn ich schriebe: „An jeder Ecke stand ein Polizist.“, aber ab einer bestimmten Entfernung zur Stadtmitte stand wirklich an jeder Ecke ein Polizist. Stellvertretend hierfür der einsame Uniformträger oben auf dem Bild. Das allein ist aber nicht so besonders, denn das ist im Grunde ja jedes zweite Wochenende auch so, wenn Rot Weiß Erfurt ein Heimspiel hat.

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Am Anger stellte ich dann mein Fahrrad ab und schlenderte ein wenig rum. Natürlich versuchten einige Einrichtungen, ihre Besucherzahlen mit Hilfe der Papst-Touristen ein bisschen in die Höhe zu treiben. Und natürlich durften auch die obligatorischen Ramsch-Buden nicht fehlen. Ein wenig vermisste ich den Geruch von Glühwein in der Luft. Kann man diesen Messwein nicht auch warm trinken?
Interessanterweise liefen auch einige Menschen mit BILD-Shirt über den Anger, die den Passanten kostenlose Ausgaben ihrer teuflischen Zeitung austeilten. Mir wurde auch eine angeboten. Und für den Bruchteil einer Femtosekunde war ich versucht, zuzugreifen. Dann allerdings konnte ich mich aus dem hypnotischen Blick des BILD-Zeitungs-Siths herauswinden und mannhaft: „Nein, danke. Ich habe gerade keinen alten Fisch zum Einwickeln bei mir.“ sagen. So zumindest habe ich es in Erinnerung.

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Ich ging dann weiter zum Domplatz. Der war, vermutlich schon für die morgige Messe dort, komplett abgesperrt, genau wie der Petersberg. Vor der Absperrung liefen wieder etliche Polizisten rum. Und vor diesen Polizisten standen zahlreiche Menschen und guckten und zeigten Richtung Dom. Da war aber gar nichts, außer halt dem Dom. In meinem Kopf stempelte ich sie als Idioten ab und ging weiter, bis ich zu diesen hübschen Dixie-Klos kam. Die sind vermutlich für den nie ganz auszuschließenden Fall dort aufgestellt worden, dass sich bei der Predigt morgen etwa 50 Menschen gleichzeitig übergeben müssen.
Dann wollte ich weiter, kam es aber nicht, weil die Straße abgesperrt war. Ich wollte mich gerade Richtung Fischmarkt wieder nach Hause machen, als ich hörte, wie eine Mutter ihrer kleinen Tochter erzählte, dass der Papst gerade im Dom sei. Das erklärte mir dann auch, wieso die ganzen Menschen da standen – also stellte ich mich ganz idiotisch mit dazu. Wenn ich nun schonmal hier war, konnte ich auch noch fünf Minuten auf den ollen Benedetto warten.

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Und dann kam er auch schon! Und hier ist er: der Papst. In seinem schönen, weißen Ratzefummel. Neben ihm glaube dieser Bischof von Erfurt, mit dem er sich im Augustinerkloster getroffen hatte. Oder auch nicht, ich übernehme da keine Garantien.

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Hier noch ein bisschen näher. Mehr hat mein Objektiv nicht hergegeben. Ich vermute, hier erklärt der Heilige Vater den wartenden Journalisten gerade, was für große Brüste die Jungfrau Maria laut Neuem Testament hatte.

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Ja, ja. Bei so viel freudigem Rumgeglaube und christlicher Nächstenliebe muss sich selbst die hartgesottenste Polizei-Brunhilde ein Tränchen verdrücken. Schnüff.

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Hier trifft oder traf sich übrigens der Papst mit den Vertretern der Evangelischen Kirche bei einem schönen, kühlen Bier. Hmm, lecker.

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So nächstenlieb und nett sieht der Papst übrigens von Nahem (und mit Weihnachtsmannmütze) aus. Das Foto habe allerdings nicht ich gemacht, sondern es ist hier her.

Und wisst ihr schon, wer demnächst auch nach Erfurt kommt und einen ähnlichen Unterhaltungswert hat, wie der Benedikt? Na? Ja! Fips Asmussen!
So, und zur Relativierung der ganzen Begeisterung und weil ich es überhaupt sehr gut finde, hier noch ein weiterer Fremdbeitrag. Viel Spaß!“

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