Monatsarchiv: September 2012

#Grillen

Wie ich in letzter Zeit bereits auf Twitter dezent durchscheinen ließ, waren wir Neu-Hamburger in den letzten beiden Wochen zu Besuch in der alten Heimat – im Auenland. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf familiärem Beisammensein, ein wenig analogem Lesen und ausgiebigem Nichtstun.

Allerdings kamen, wie es sich aber für anständige Hobbits gehört, auch Bier und fleischhaltige Nahrungsmittel nicht zu knapp, und ich wollte an dieser Stelle einfach mal die Gelegenheit nutzen und kurz erklären, wie das mit dem sogenannten Grillen so funktioniert – illustiert mit einer selbst erstellen Fotostrecke. Denn sehr oft liest man ja in Zeitungen von schrecklichen Grillunfällen, bei denen ganze Wohnbezirke entweder in Flammen auf- oder hungrig ins Bett gehen, weil sich die Beteiligten gänzlich unwissend an das Abenteuer Holzkohlegrill heranwagten. Hier möchte ich Abhilfe schaffen.

Wir beginnen, ganz entgegen herkömmlicher Vorgehensweisen, am Anfang.

Vorbereitung gewinnt. Im Normalfall grillt man nicht in geschlossenen Räumen, sondern im Freien. Damit man nicht ständig zwischen diesen beiden Orten – vorausgesetzt man isst nicht auch im Freien – hin und her laufen muss, sollte man gleich all das Grillgut und sonstige Werkzeuge mit nach draußen nehmen. Besonders wichtig ist dabei natürlich die Grillzange, ein Messer (ein Messer kann man immer gebrauchen) und ein Topf, um das fertige Grillgut darin zu sammeln und warm zu halten.

Es folgt das Wichtigste: Das Anfeuern des Grills. Den hat man zuvor am besten von den Ascheresten des letzten Grillabends befreit und den Rost ordentlich mit einer Drahtbürste auf Hochglanz geschrubbt. Optional kann dieser auch noch mit einem Stückchen Speck eingefettet oder wahlweise ein wenig an der Hüfte desjenigen mit der größten Grillerfahrung gerieben werden. Dann den Rost beiseite stellen. Anschließend kippt man die Holzkohle in den Grill. Vorsicht bei der Dosierung! Wenn der Rost beim Test-Auflegen auf den Grill auf einer Holzkohlebergspitze zum Liegen kommt, ist das zu viel. Nun macht man Feuer!

Es gibt da sehr viele verschiedene Möglichkeiten, die Kohle zum Glühen zu bringen. Die Öko-Methode mit Reisig, Ästchen und Hölzchen, feste Grillanzünder, sogar das Bearbeiten der Kohle mit einem heißen Fön habe ich bereits beobachtet. Das ist alles Quatsch. Die Sache ist viel einfacher: einfach Unmengen Spiritus auf die Kohle kippen, anzünden und dann warten, bis das Feuer wieder aus geht. Gesundheitliche Risiken aufgrund der hohen Brennstoffmengen sind zu vernachlässigen oder im nun bereits zur Hand genommenen ersten Grillbier zu ertränken.

Ist das Feuer erloschen, sucht man sich einen willigen Wedelsklaven, der es mit einem möglichst flachen, breiten und leichten Gegenstand wieder zu entfachen versucht. Das macht er so lange, bis die ganze Kohle schön weiß durchgeglüht ist. Nebenbei das Biertrinken nicht vergessen!

Nun kann der Rost auf den Grill, und auf diesen dann das zu garende Fleisch. Beginnen sollte man dabei mit dem, das am längsten und/oder meisten Hitze braucht – also beispielsweise die Steaks aus Schweinefleisch.

Sind die fertig (immer mal wenden, nicht zu schwarz, klein und schrumpelig werden lassen) und lagern im bereitgestellten Topf kommen die Würste und, falls auch Frauen mit essen, das Geflügel. Über die Würste gerne immer mal ein paar Spritzer des mittlerweile zweiten Grillbieres geben. Der Effekt ist zwar umstritten, aber es sieht sehr professionell aus. Auch sorgt der Geruch und das Aussehen von ein paar daneben gegangenen Bierspritzern auf Hemd und Hose für angenehmes Sommer-Grill-Gefühl und viel Freude bei den späteren Tischnachbarn.

Abschließend kann dann auf den Grill, was halt noch so da ist. Grillfackeln, Spießchen, Katzen. Immer schön wenden, dabei wissend nicken und Dinge sagen wie: „Ja, die können noch.“, „Das sieht schon gut aus.“ oder „Das muss so sein, für die Röstaromen.“ Bier trinken dabei nicht vergessen. Grillen ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe und erfordert höchste Konzentration und vollen kognitiven Einsatz.

Zum Schluss stellt man den Topf mit dem nun fertigen Grillgut auf den Tisch und kann endlich die Ergebnisse seiner harten Arbeit und die Anerkennung der anwesenden Nicht-Griller genießen. Es ist noch wichtig anzumerken, dass Brot oder gar füllende Beilagen wie Salate im Grunde völlig überflüssig sind. Nicht zu verachten ist jedoch ihre farbgebende Wirkung auf einem Esstisch, und das Auge isst ja schließlich auch mit.

 

 

 

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