Der Papst wiederverwertet.

Der folgende Text erschien am 23. September 2011 in meinem anderen Blog, passt aber gerade heute so gut. Deshalb recycle ich ihn hier noch mal. Er passt ohnehin besser zum Purzelkraut.

„Moin,

Wie vielleicht bereits aus Funk und Fernsehen bekannt, ist derzeit der Vertreter Gottes auf Erden (wenn man der Katholischen Kirche glaubt, was man nicht tun sollte) zu Besuch in Erfurt – der Stadt, in der wir zufällig wohnen. Nun habe ich normalerweise mit Religion im Allgemeinen und mit der Katholischen Kirche im Speziellen wenig zu tun und ich könnte mich nun in einem endlosen Schwall von blasphemischen Gedankenergüssen zu diesem Thema verlieren. Das werde ich aber nicht tun. Hoffe ich.
Eigentlich wollte ich dieses Ereignis entsprechend meiner Abneigung auch völlig ignorieren. Doch dann beschloss ich gestern, meinem sensationsgierigen Schweinehund nachzugeben und heute vormittag, bevor wir uns dann auf unseren Gebeseer Landsitz flüchten, einen kleinen Streifzug durch die Stadt zu machen und ein paar Polizisten zu fotografieren. Denn die sollten dem Hörensagen nach zu Hauf in der Stadt sein. Auch wollte ich mir anschauen, was nun kurz vor Papstbesuch so in der Stadt los wäre und wo man überall nicht mehr hin dürfe.

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Das hier ist übrigens das für diese zwei Tage Rumgepapste entworfene Logo, das in der Stadt zahlreich zu finden ist.

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Das erste, was mir auffiel: Es sind tatsächlich sehr viele Polizisten (und wenn ich Polizisten schreibe, meine ich Bullenschweine) in der Stadt. Es klänge vermutlich übertrieben, wenn ich schriebe: „An jeder Ecke stand ein Polizist.“, aber ab einer bestimmten Entfernung zur Stadtmitte stand wirklich an jeder Ecke ein Polizist. Stellvertretend hierfür der einsame Uniformträger oben auf dem Bild. Das allein ist aber nicht so besonders, denn das ist im Grunde ja jedes zweite Wochenende auch so, wenn Rot Weiß Erfurt ein Heimspiel hat.

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Am Anger stellte ich dann mein Fahrrad ab und schlenderte ein wenig rum. Natürlich versuchten einige Einrichtungen, ihre Besucherzahlen mit Hilfe der Papst-Touristen ein bisschen in die Höhe zu treiben. Und natürlich durften auch die obligatorischen Ramsch-Buden nicht fehlen. Ein wenig vermisste ich den Geruch von Glühwein in der Luft. Kann man diesen Messwein nicht auch warm trinken?
Interessanterweise liefen auch einige Menschen mit BILD-Shirt über den Anger, die den Passanten kostenlose Ausgaben ihrer teuflischen Zeitung austeilten. Mir wurde auch eine angeboten. Und für den Bruchteil einer Femtosekunde war ich versucht, zuzugreifen. Dann allerdings konnte ich mich aus dem hypnotischen Blick des BILD-Zeitungs-Siths herauswinden und mannhaft: „Nein, danke. Ich habe gerade keinen alten Fisch zum Einwickeln bei mir.“ sagen. So zumindest habe ich es in Erinnerung.

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Ich ging dann weiter zum Domplatz. Der war, vermutlich schon für die morgige Messe dort, komplett abgesperrt, genau wie der Petersberg. Vor der Absperrung liefen wieder etliche Polizisten rum. Und vor diesen Polizisten standen zahlreiche Menschen und guckten und zeigten Richtung Dom. Da war aber gar nichts, außer halt dem Dom. In meinem Kopf stempelte ich sie als Idioten ab und ging weiter, bis ich zu diesen hübschen Dixie-Klos kam. Die sind vermutlich für den nie ganz auszuschließenden Fall dort aufgestellt worden, dass sich bei der Predigt morgen etwa 50 Menschen gleichzeitig übergeben müssen.
Dann wollte ich weiter, kam es aber nicht, weil die Straße abgesperrt war. Ich wollte mich gerade Richtung Fischmarkt wieder nach Hause machen, als ich hörte, wie eine Mutter ihrer kleinen Tochter erzählte, dass der Papst gerade im Dom sei. Das erklärte mir dann auch, wieso die ganzen Menschen da standen – also stellte ich mich ganz idiotisch mit dazu. Wenn ich nun schonmal hier war, konnte ich auch noch fünf Minuten auf den ollen Benedetto warten.

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Und dann kam er auch schon! Und hier ist er: der Papst. In seinem schönen, weißen Ratzefummel. Neben ihm glaube dieser Bischof von Erfurt, mit dem er sich im Augustinerkloster getroffen hatte. Oder auch nicht, ich übernehme da keine Garantien.

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Hier noch ein bisschen näher. Mehr hat mein Objektiv nicht hergegeben. Ich vermute, hier erklärt der Heilige Vater den wartenden Journalisten gerade, was für große Brüste die Jungfrau Maria laut Neuem Testament hatte.

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Ja, ja. Bei so viel freudigem Rumgeglaube und christlicher Nächstenliebe muss sich selbst die hartgesottenste Polizei-Brunhilde ein Tränchen verdrücken. Schnüff.

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Hier trifft oder traf sich übrigens der Papst mit den Vertretern der Evangelischen Kirche bei einem schönen, kühlen Bier. Hmm, lecker.

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So nächstenlieb und nett sieht der Papst übrigens von Nahem (und mit Weihnachtsmannmütze) aus. Das Foto habe allerdings nicht ich gemacht, sondern es ist hier her.

Und wisst ihr schon, wer demnächst auch nach Erfurt kommt und einen ähnlichen Unterhaltungswert hat, wie der Benedikt? Na? Ja! Fips Asmussen!
So, und zur Relativierung der ganzen Begeisterung und weil ich es überhaupt sehr gut finde, hier noch ein weiterer Fremdbeitrag. Viel Spaß!“

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