Der Troll


Nachdem ich mich am letzten Wochenende dem Thema Spam gewidmet hatte, soll es heute wieder um ein Internet-Phänomen gehen: den Troll. Nun ist der Troll an sich ja eher bekannt aus der nordischen Mythologieoder John Ronald Reuel Tolkiens „Herr der Ringe“-Romanen. Es gibt ihn aber bekanntlich auch im Internet, wo er sich überwiegend in Foren, Kommentarbereichen oder sonstigen Gelegenheiten der gepflegten Diskussion herumtreibt. Mit seinem mythologischen Verwandten gemeinsam ist ihm dabei eine gewisse Unbeliebtheit aufgrund seines ungeselligen Wesens. Im Netz ist der Troll ein Störer und Provokateur, dessen einziges Ziel es ist, einer konstruktiven Diskussion im Wege zu stehen. Sascha Lobo hat zu diesem ganzen Thema auf der diesjährigen re:publica einen netten, einstündigen Vortrag gehalten.

Nun haben sich mein Herr Bruder und ich neulich gefragt, woher die Bezeichnung Troll für einen solchen Diskursdestruktor eigentlich kommt. Laut Wikipedia stammt sie vom englischen Wort Trolling, was eine bestimmte Technik des Fischens mit einer Schleppangel bezeichnet, bei der die Köder langsam durch das Wasser gezogen werden. Die Betonung liegt hier also auf dem Aspekt des Köderns anderer Diskussionsteilnehmer mit unpassenden Aussagen, die von der eigentlichen Sache ablenken und möglichst erboste und unsachliche Antworten provozieren soll.
Zum ersten Mal verwendet wurde der Begriff in diesem Sinne, wieder laut Wikipedia, im Jahr 1990 in der Newsgroup alt.folklore.urban, wie man in diesem Buch nachlesen kann. Dort wurde beispielsweise in einer Diskussion zu Star Trek die lustige Frage gestellt: „Are there any technical advisors working on this show? Do they really think that objects cast shadows in a vacuum? I know zip about physics, but even I could spot that one“ (S. 39). Prinzipiell machten sich die Mitglieder der Newsgroup ein Spiel aus dem „trolling for newbies“, indem sie schwachsinnige Aussagen posteten und dann zusahen, wie sich die Newbies – also die Neulinge – selbst durch beleidigende oder echauffierte Antworten als solche entlarvten.

Nun hatte mein Bruder jedoch eine ganz andere, selbstständig hergeleitete Etymologie des Internet-Trolls entwickelt. Er sah dessen Ursprung nämlich in einem meiner liebsten Computerspiele aller Zeiten, „The Secret of Monkey Island“. Dort hat nämlich ein Troll einen denkwürdigen Auftritt.


Der Troll bewacht eine Brücke und verlangt einen Wegzoll von Guybrush, also der Spielfigur, ohne den dieser nicht passieren darf. Man könnte hier noch auf die Parallelen zum Monty Python-Klassiker „Monty Python And The Holy Grail“ hinweisen, in dem ebenfalls eine Brücke bewacht wird und an anderer Stelle der Weg mit den Worten „None Shall Pass!!“ versperrt bleibt. Darum geht’s hier aber gar nicht. Es geht um den Troll, der auch hier den gesitteten Verlauf des Spiels durch eine sinnlose, weil von der Handlung unmotivierte Brückensperrung sabotiert. Die Lösung des Rätsels trägt ihr übriges zu dieser Interpretation bei. Der Troll verlangt nämlich von Guybrush als Brückenzoll „an item that is distracting but of no real purpose to anyone“.


Einen roten Hering. So bezeichnet man, besonders in seiner englischen Originalform des „red herring“ eine Art Ablenkungsmanöver. Beispielsweise in Krimis einen vermeintlich wichtigen Hinweis, der jedoch in Wahrheit keinerlei Bedeutung hat. Das Interessante daran: Auch im Netz hat sich die Gewohnheit entwickelt, auf den Post eines Trolls mit einem ASCII-Hering zu reagieren. Als Antwort auf seine Provokation erhält er dann statt der von ihm gewünschten Reaktionen nur das hier: <°)))o><

Es heißt zwar eigentlich „Don’t feed the Troll!“, also gebt ihm nicht die Befriedigung, die er möchte. Aber ein Stück Fisch scheint okay zu sein. Parallelen zu Monkey Island sind also durchaus vorhanden. Auch zeitlich sind diese nicht von der Hand zu weisen. Die Newsgroup begann angeblich im Jahre 1990 mit der Verwendung der Bezeichnung „Troll“, Monkey Island erschien im Oktober 1990. Und wenn schon das Wort selbst nicht von Monkey Island inspiriert wurde, so ist es die Reaktion auf einen Troll, ihn mit einem roten Hering zu füttern, ganz bestimmt.

Übrigens: Wenn der Troll im Spiel dann den Fisch frisst, nimmt er seine Maske ab (er ist nämlich gar kein echter Troll) und darunter sieht er aus wie George Lucas.

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