Gamification-Clash

Kommen wir zuerst zum obligatorischen Mensa-Essen. Heute probierte ich mal das als „Vital-Essen“ propagierte Mahl, und bewies damit sehr viel Experimentierfreudigkeit. So mutig waren nicht viele, denn das war die einzige Essensausgabe ohne Warteschlange. Und was gab es nun? Das hier:

Nordafrikanisches Bohnen-BIO-Bulgur-Ragout mit einem Bananen-Vanille-Soja-Shake. So stand es am Schild der Essensausgabe. Und es war tatsächlich sehr lecker. Ich habe natürlich keinen Vergleich zu echtem Bulgur-Ragout, weil ich das nicht kenne und auch keine Ahnung habe, was das ist. Aber das Mittag heute hat gut geschmeckt. Sogar der komische Shake.

Nun zum Titelthema dieses Posts. Wie bereits erwähnt, habe ich mich durch den größten Teil von Gabriel Zichermanns „Gamification by Design“ gekämpft und dabei mehr als einmal gedacht, dass das ein ziemlich mieses Buch ist. Es erfüllt keinerlei wissenschaftlichen Anspruch (das muss es natürlich auch nicht, hätte aber einem Buch, das bei O’Reilly erscheint, durchaus gut zu Gesicht gestanden), propagiert ein ziemlich antiquiertes Verständnis menschlichen Verhaltens (siehe Behaviorismus und Pawlow) und preist eine teilweise ethisch ziemlich fragwürdige Ansicht und Behandlung (potenzieller) Kunden als ultimative Verkaufsstrategie.
Heute nun verbrachte ich allein zwei Stunden damit, eine Art öffentliches Streitgespräch zwischen Zichermann und Sebastian Deterding (zu dem es hier eine weitere nette Beschreibung gibt) erstmal nur zu lesen. Ich wusste von dem kleinen Meinungsaustausch der beiden zwar schon, bevor ich Zichermanns Buch durchackerte, wollte ihn aber bewusst erst nach dieser Lektüre lesen, um quasi voll informiert an die Sache heranzugehen. Das hätte ich mir sparen können. Sebastian (ich nenn ihn jetzt einfach mal beim Vornamen, weil er mir sehr sympathisch ist) hat in seinem Review zu „Gamification by Design“ eigentlich alles wichtige aus diesem Buch auch drin.
Um den Schlagabtausch kurz zusammenzufassen:

– Zichermann schreibt ein Buch (das übrigens seinem anderen Buch in diesem Themenbereich, „Game-Based Marketing„, und das ich leider auch gelesen habe, stellenweise frappierend ähnelt)
– Sebastian Detering schreibt ein sehr langes Review zu diesem Buch, das ich jedem, der auch nur ein bisschen an diesem Thema interessiert ist, wärmstens ans Herz lege. Zum einen, weil es die Fehler (von Rechtschreibfehlern bis hin zu fachlichen Fehlern) aus Zichermanns Buch beleuchtet, zum anderen, weil es gespickt ist mit hilfreichen Links und Anregungen.
– Zichermann antwortet auf den, ich nenn es jetzt mal Verriss, indem er die Rechtschreibfehler eingesteht und ansonsten das Wissenschaftsverständnis des „German PhD Student“ versucht aufzufrischen.
– Tim O’Reilly, quasi der Herausgeber des Buches, äußert sich auf Google+ etwas verwundert ob der harschen Kritik an Zichermanns Machwerk.
– Sebastian Detering antwortet erst auf O’Reilly, dann auf Zichermann. Im ersten Fall erklärt er, warum ihm am Herzen liegt, dass Zichermanns Verständnis (sprich: das der Marketing-Industrie) von Gamification nicht unwidersprochen stehen bleibt. Im zweiten Fall erklärt er Zichermann, wie Wissenschaft wirklich funktioniert.
– In der meines Wissens bisher letzten Äußerung dieses Schlagabtauschs (bitte, berichtigt mich, falls es falsch ist) lädt Zichermann schließlich Sebastian ein, eine Art Zusatzkapitel für die nächste Auflage seines Buches zu schreiben, in dem er seine Kritik anbringen solle (was die Gefahr bergen würde, dass es eine zweite Auflage dieses Buches gäbe).

Soweit der Gamification-Clash der beiden, der natürlich stellvertretend für die unterschiedlichen Ansichten zum Thema Gamification steht. Auf der einen Seite die Marketing-Sicht, die mit Hilfe einer Spielifizierung aller möglichen Dinge mit möglichst geringen Kosten möglichst viele Kunden an diese Dinge binden will. Auf der anderen Seite die Vertreter, die meinen, mit richtig eingesetzten Spielmechaniken den Menschen manches Tun leichter von der Hand gehen lassen zu können. Und dann gibt es noch Jane McGonigal. So zumindest habe ich es bisher verstanden. Berichtigungen sind willkommen.

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Eingeordnet unter Gamification, MA-Arbeit, Mensa

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